Weniger Straftaten in Hannover – Polizei sieht dennoch weiter Handlungsbedarf

Die Polizeidirektion Hannover hat ihre Kriminalstatistik für das Jahr 2025 vorgestellt. Danach ist die Gesamtkriminalität in der Region Hannover erneut gesunken. Mit 103.478 registrierten Straftaten liegt sie auf dem zweitniedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Rückgang um 7097 Fälle oder 6,42 Prozent. Die Aufklärungsquote stieg leicht auf 61,14 Prozent.

Zurückgeführt wird der Rückgang vor allem auf niedrigere Fallzahlen bei Diebstahls- und Rauschgiftdelikten. So sank etwa die Zahl der Fahrraddiebstähle um 18,19 Prozent. Die Entwicklung bei den Rauschgiftdelikten steht laut Polizei auch im Zusammenhang mit der gesetzlichen Teillegalisierung von Cannabis zum 1. April 2024.

Auch bei der Gewaltkriminalität verzeichnet die Statistik einen Rückgang. Im Jahr 2025 wurden 4681 Fälle registriert, rund sieben Prozent weniger als 2024. Die Zahl der Straftaten gegen das Leben sank von 54 auf 39 Fälle. Darunter waren sechs Mordfälle, davon fünf Versuche und eine Vollendung, sowie 23 versuchte Totschlagsdelikte. Auch die Zahl der Messerangriffe ging leicht zurück. Erfasst wurden 794 Fälle nach 815 im Vorjahr. Trotz des Rückgangs spricht die Polizei weiterhin von einem hohen Niveau.

Ebenfalls rückläufig war die Zahl der registrierten Fälle häuslicher Gewalt. Sie sank von 6814 auf 6631. Den größten Anteil daran machen Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit aus, darunter insbesondere Körperverletzungen. Zudem wurden 218 Sexualdelikte im Kontext häuslicher Gewalt registriert, darunter 111 Vergewaltigungen. Polizeipräsidentin Gwendolin von der Osten betonte, Gewalt in der Familie oder Partnerschaft sei keine Privatsache, sondern eine Straftat.

Ein leichter Rückgang zeigte sich auch bei den Sexualdelikten insgesamt. Die Polizei registrierte 2086 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und damit 105 weniger als im Vorjahr. Den größten Anteil machte weiterhin die Verbreitung pornografischer Inhalte aus. Auffällig ist dabei der hohe Anteil junger Tatverdächtiger. Rund ein Drittel war jünger als 21 Jahre.

Auch die Kinder- und Jugendkriminalität ging zurück. Die Zahl der tatverdächtigen Kinder sank von 1960 auf 1682, bei den Jugendlichen von 3703 auf 3340. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei jugendlichen Tatverdächtigen im Bereich der Gewaltkriminalität aus. Hier sank die Zahl von 760 auf 566. Auch die im Schulkontext erfassten Straftaten gingen zurück.

Die Zahl der Tatverdächtigen insgesamt verringerte sich auf 41.388. Rund drei Viertel davon waren männlich, etwa 81 Prozent waren 21 Jahre oder älter. Die Zahl der Opfer stieg leicht auf 27.935. Männer waren dabei häufiger betroffen als Frauen.

Sorgen bereitet der Polizei weiterhin die Gewalt gegen Einsatzkräfte. Die Zahl der Straftaten zum Nachteil von Polizeikräften stieg auf 1129 Fälle, bei Rettungskräften auf 98. Damit erreichten beide Bereiche erneut Höchststände. Die Polizeipräsidentin sprach von einem deutlichen Warnsignal.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung kündigte die Polizeidirektion Hannover für 2026 die Einführung eines neuen Früherkennungs- und Bedrohungsmanagements an. Ziel ist es, Hinweise auf mögliche schwere Gewalttaten frühzeitig zu erkennen, Risiken besser zu bewerten und gemeinsam mit anderen Behörden geeignete Maßnahmen einzuleiten. Polizeipräsidentin von der Osten sprach trotz der insgesamt positiven Entwicklung von weiterem Handlungsbedarf. Gerade bei Gewalt- und Bedrohungslagen dürfe die Polizei nicht nachlassen.

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