
Die Kreisvereinigung der „Freie Wähler“ in der Region Hannover hat Oliver Wempe einstimmig zu ihrem Spitzenkandidaten für die Wahl des Regionspräsidenten nominiert. Die Entscheidung fiel am vergangenen Wochenende bei einer Versammlung im Hänigser Haus am Pappaul. Anwesend war auch die kommissarische Landesvorsitzende Sandra Grobe.
Mit der Nominierung steigt der 57-jährige Kommunalpolitiker in den Wahlkampf um das Amt des Regionspräsidenten ein. „Die Region Hannover braucht endlich frischen Wind an der Spitze“, erklärte Wempe bei der Vorstellung seiner Kandidatur.
Der Politiker verfügt über langjährige kommunalpolitische Erfahrung. Bereits vor 35 Jahren errang er in seiner Heimatgemeinde Uetze sein erstes Mandat. Später gehörte er sowohl dem letzten Kreistag des Landkreises Hannover als auch der ersten Regionsversammlung an, damals noch für die CDU. Mit Blick auf die Entwicklung der Region Hannover äußerte er deutliche Kritik. Das Modell der Region sei einst mit großen Synergieeffekten angekündigt worden, diese hätten sich aus seiner Sicht jedoch nicht erfüllt. Zwar sei mit der Gründung der Region eine Behörde eingespart worden, gleichzeitig seien jedoch weder Kosten noch Hierarchien spürbar reduziert worden. Auch die Verschuldung der Region und ihrer Mitgliedskommunen wachse weiter.
Wempe kritisierte zudem, dass sich die Entwicklung der Region zunehmend auf die Landeshauptstadt konzentriere, ohne die versprochenen Vorteile für die Umlandkommunen zu bringen. Als Beispiele nannte er unter anderem die Schließung der Krankenhäuser in Springe und zuletzt in Lehrte sowie die Aufgabe von Zulassungsstellen. Es stelle sich die Frage, ob diese Entscheidungen tatsächlich zum Wohl der Bevölkerung getroffen worden seien und ob die Zufriedenheit der Bürger seit der Gründung der Region vor 25 Jahren gewachsen oder zumindest stabil geblieben sei.
Auch die Arbeit des amtierenden Regionspräsidenten Steffen Krach bewertete Wempe kritisch. „Herr Krach hat viel Lärm um sehr wenig gemacht und sich frühzeitig ein neues Spielfeld gesucht. Vielleicht auch, um sich einer abzeichnenden Niederlage bei den Kommunalwahlen 2026 nicht stellen zu müssen. Eine seriöse, transparente, perspektivische und verantwortungsbewusste Politik sieht für mich anders aus“, erklärte der Kandidat.
Nach seiner Auffassung müsse Politik bürgernah gestaltet und Entscheidungen nachvollziehbar erklärt werden. Bürgerfragestunden während der Regionsversammlungen würden aus seiner Sicht häufig eher als Pflichtaufgabe behandelt. „Politik – gerade in der Herzkammer der Demokratie auf kommunaler Ebene – muss mit der Bevölkerung in den Dialog treten und sich kümmern“, betonte Wempe.
Zudem forderte er eine stärkere Anwendung des Konnexitätsprinzips. Aufgaben, die von Bund und Land an Kommunen übertragen werden, müssten auch vollständig finanziert werden. Kritisch sieht er unter anderem, dass die Verantwortung für die Sekundarstufe II in der Region Hannover auf die Mitgliedskommunen übertragen worden sei. Gleichzeitig sei das Solidaritätsprinzip einer gemeinsamen Schulbaukasse bei der Gründung der Region aufgegeben worden.
Oliver Wempe ist seit mehr als drei Jahrzehnten bei der Technischen Informationsbibliothek in Hannover beschäftigt. Dort arbeitet er als Personalratsvorsitzender und vertritt die Interessen von rund 650 Beschäftigten. Er lebt seit rund fünf Jahrzehnten in Uetze, ist verwitwet und Vater einer erwachsenen Tochter. Neben seinem politischen Engagement ist er unter anderem im Schützenverein seines Heimatortes aktiv und spielt in seiner Freizeit Theater und Skat.
